„Ab wann Kinder Handy ….“ diese Wörterkombi wird auf Google sehr oft gesucht und beschäftigt auch mich gerade. Wann sollen/dürfen die kleinen großen Lieblinge ihr erstes Smartphone haben? Was müssen wir als Eltern dabei beachten? Fragen über Fragen in Kombination mit Diskussionen über Diskussionen. Einige wissen jetzt, wovon ich spreche… Um relativ sicher und top vorbereitet zu sein, habe ich mir Hilfe von einer Expertin geholt, die uns die wichtigsten und wesentlichsten Fragen rund um das erste Handy und den Umgang damit beantwortet.

„Ab wann Kinder Handy …“ – Das sagt die Expertin!

Ich kenne die liebe Leonie schon seit einiger Zeit von ihrem wunderschönen Blog Mini Menschlein, 2016 durfte ich sie persönlich in Berlin kennenlernen. Im Laufe der letzten Jahre hat Leonie noch eine weitere sehr hilfreiche Online-Plattform aufgebaut – Kinder digital begleiten. Einerseits gibt es wertvolle Onlinekurse für uns Eltern beziehungsweise findet ihr auf Instagram unter @kinderdigitalbegleiten immer die neuesten Trends und Hypes.

Alles wichtigen Infos rund um das erste Handy

Heute ist Leonie so nett und hilft uns – sie steht Antwort und Frage! Denn ich glaube, nicht nur ich bin im Bezug auf das erste Handy und den Umgang überfordert. Es gab diesbezüglich ja schon Vorfälle hier… Ich bin nicht umsonst sehr vorsichtig, Schimpfwörter-Stream und Co. – wir hatten schon einiges.

MamaWahnsinn: Das erste Handy – unsere Kinder wachsen in einer ganz anderen Zeit auf. Worauf müssen wir Eltern grundsätzlich achten? Welches Alter ist empfehlenswert? Meine Tochter war in der 4. Klasse Volksschule eines der letzten Kinder ohne Handy. Mit der nächsten Lady laufen gerade die Diskussionen…. 

Leonie: Ich denke, da gibt es keinen generellen Richtwert, das muss individuell entschieden werden. Wechseln wir also mal kurz die Perspektive: Was konkret bedeutet es eigentlich, wenn mein Kind ein eigenes Smartphone hat? Es bedeutet: uneingeschränkter Zutritt in die Erwachsenenwelt. Will ich, das mein Kind uneingeschränkten Zutritt in die Erwachsenenwelt hat? Eigentlich nicht, denn dazu gehören auch Themen wie Pornografie. Alles, was Eltern googeln können, können dann auch Kinder googeln. Jetzt könnte man das ganze verbieten, aber das wäre natürlich keine sinnige, langfristige Lösung, denn irgendwann werden sich Kids ohne Smartphone ausgegrenzt fühlen. Daher bin ich überzeugt: Die einzige Möglichkeit, unsere Kinder zu schützen und ihnen gleichermaßen ein eigenes Gerät zu erlauben ist, sie digital zu begleiten.
Und begleiten heißt: Als Eltern zu wissen, was auf den Geräten passiert, was Kids und Teens online wirklich erleben, welche Apps sie nutzen und wie die funktionieren und welche Problemfelder zu Herausforderungen werden können. Ich finde, es gibt ein Beispiel, das ganz gut dazu passt: Wenn ich meinem Kind Schwimmen beibringen möchte, werfe ich es auch nicht einfach ins Wasser.

Ab wann Kinder Handy - Verena fragt sich, wie sie mit dieser Situation als Elternteil umgehen soll und zieht die Expertin Leonie hinzu

MamaWahnsinn: Wie sollen Eltern mit den Bildschirmzeiten umgehen – sollen wir sie vordefinieren? Was ist ratsam? Hörbücher sind zum Teil ja auch dabei….

Leonie: Interessant ist, dass sich selbst Experten in diesem Bereich nicht einig sind. Es gibt einfach noch keine Langzeitforschung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt beispielsweise für Kinder ab zwei Jahren solle die Bildschirmzeit pro Tag von einer Stunde nicht überschritten werden, wobei weniger natürlich besser sei. Eine Stunde finde ich persönlich schon zu viel für Zweijährige. Die WHO hat diese Empfehlung im Zusammenhang mit Bewegung gegeben. Sprich: Sie gehen davon aus, dass Kinder, die am Bildschirm etwas gucken, sich nicht bewegen, es also um eine sitzende Tätigkeit geht. Stimmt ja auch. Deshalb empfiehlt die WHO, diese sitzende Tätigkeit lieber in Form von Büchern oder Geschichten zu verbringen.
Wenn wir dann aber auf die BLIKK Studie unter der Leitung von Kinderarzt Büsching gucken, sagt der: Gar kein Bildschirm unter drei Jahren.
Hilfreicher finde ich dann die Empfehlungen von Klicksafe. Bei Kindern zwischen 4 bis 6 Jahren 20 Minuten, aber nicht täglich, bei 7 bis 10-jährigen max. 30-45 Minuten täglich. So oder so braucht es individuelle Lösungen für Familien. In der Corona-Zeit ist die Mediennutzung natürlich nach oben gegangen, das war auch bei uns so. Ich erinnere mich an die ersten Wochen im März/April, da lagen die Nerven einfach auch blank. Und irgendwann weiß man dann nicht mehr, was noch basteln oder spielen. Ich denke, wenn es mal Ausreißer bei den Nutzungszeiten gibt, ist das nicht schlimm, wenn man wieder zu ursprünglichen Regeln zurückkehrt. 

Jedes Kind ist einfach auch anders, und Eltern kennen ihre Kids am besten und können so die Medienzeit selbst am besten einschätzen. Und es kommt ja auch immer darauf an, was das Kind sonst so erlebt hat am Tag. War es draußen, auf dem Spielplatz, hat es getobt und gespielt, dann wüsste ich nicht, was gegen eine Folge der Lieblingsserie sprechen sollte. Ich denke, das muss man immer in Relation sehen. Dass übermäßiger Medienkonsum schädlich sein kann, ist ja bekannt. Meine kleine Tochter ist sechs Jahre alt. Sie schaut nicht jeden Tag etwas, vielleicht so zwei bis dreimal in der Woche momentan. Das variiert sehr, im Sommer hat sie nur Hörspiele gehört und saß nicht an einem Bildschirm. Jetzt nehmen die Regentage zu, da fragt sie dann wieder öfter. Und ich erlaube ihr dann je nach Serie ein bis zwei Folgen. Wichtig ist dann: Wo die Kinder gucken. Ich rate z.B. von Youtube ab, das hatte ich auch erst kürzlich bei Instagram erläutert. 

MamaWahnsinn: Wir haben die Familienfreigabe – ist das ratsam, gibt es bessere Alternativen?

Leonie: Die Apple Familienfreigabe oder Google Family Link halte ich für gute Anwendungen, um Kinder zu begleiten. Aber nicht, weil man dort den Standort des Kindes sieht, das geht in Richtung Überwachung und für bin ich nicht dafür. Ich halte die Anwendungen für praktisch, weil ich informiert werde, wenn sich mein Kind eine App herunterladen möchte. Dann habe ich die Chance einzugreifen. Ich bekomme also ein Gespür für die digitalen Interessen meines Kindes, kann mich mit der App beschäftigen, beim Spiel einmal selbst spielen, Privatsphäreeinstellungen vornehmen und so weiter. Je nach Anwendung kann man auch ganze Apps sperren oder Zeiten eingeben. Das kann hilfreich sein, aber meiner Meinung nach braucht man letzteres nicht, wenn die Kids gemeinsam mit den Eltern einen kompetenten Umgang erlernen. 

MamaWahnsinn: WhatsApp ist erst ab 13 Jahren, sollen/dürfen wir vorher? Es gibt Klassenschats etc.

Leonie: Genau genommen liegt das Mindestalter für die Nutzung bei 16 Jahren, Teenager zwischen 13 und 16 brauchen die Zustimmung der Eltern. Das prüft aber keiner nach. WhatsApp selbst sichert sich da in den AGBs natürlich auch ab in Bezug auf die Formulierungen. Und wir Eltern stehen unter Druck, wenn plötzlich alle Freunde des Kindes WhatsApp haben und es einen Klassenchat gibt, da wollen wir unser Kind ja nun nicht bewusst ausschließen. Das geht vielen Eltern so, und deshalb ist es tatsächlich so, dass heute schon viele 10-12 Jährige WhatsApp nutzen – mit dem Wissen der Eltern.
Meine große Tochter hat damals in Klasse 5 als letzte ein eigenes Smartphone bekommen. Heute weiß ich, wie sie darunter gelitten hat, keine Ahnung zu haben, was im Chat geschrieben wird. Dieses Gefühl am morgen in die Schule zu kommen und alle haben dieses eine Thema und man selbst war einfach nicht dabei. Im Nachhinein weiß ich, dass ich da früher hätte eingreifen müssen. Auch ich wollte alles richtig machen, sie begleiten und jede App genau erklären. Heute ist sie knapp 17 und dankbar über die Begleitung. Trotzdem nimmt sie es mir übel, dass sie die letzte in der Klasse mit eigenem Smartphone war, da war ich an der falschen Stelle zu streng.
Bedenklich bei WhatsApp ist eben auch, dass in so einem Chat locker bis zu 500 Nachrichten in 24 Stunden reinkommen. Das muss der Kopf erstmal verarbeiten! Und viele Kids haben das Gerät 24/7 im Kinderzimmer, weil sie es auch als Wecker nutzen. Da ist es schwer, zur Ruhe zu kommen. Es hilft übrigens, die Pushnachrichten abzuschalten und auch mal den Klassenchat auf stumm zu stellen. Die Nachrichten laufen trotzdem rein, man liest sie aber dann, wenn man Zeit hat und nicht, wenn das Gerät vibriert oder piept.
Auch werden bei WhatsApp teils sehr verstörende Kettenbriefe wie Momo, Teresa Fidalgo oder die gruselige Sprachnachricht von Nico unbedacht weitergeleitet, was Kindern Angst macht. Das sind nur wenige Beispiele, aber es gibt natürlich noch mehr Problemfelder bei der WhatsApp Nutzung. Übrigens sind viele meiner Onlinekurs-Teilnehmerinnen Lehrerinnen. Sie nutzen mein Check-up zu WhatsApp, um mit den Schülern Klassenregeln zu vereinbaren. Das finde ich einen großartigen Weg, wenn in der Schule, in der Klasse mit allen beteiligten Regeln für den Klassenchat vereinbart werden, diese Regeln von den Schülern selbst erarbeitet werden und sie erfahren was bei WhatsApp laut AGB eigentlich erlaubt ist und was nicht, welche Kettenbriefe es gibt, was da drin steht und welchen Ursprung sie haben …

Kinder digital begleiten - das hilft uns sehr gut.

MamaWahnsinn: Social Media bzw. auch bei WhatsApp – was muss unbedingt beachtet werden? Namensgebung? 

Leonie: Ja, da gibt es ein paar wichtige Dinge, die logisch sind, man aber irgendwie leicht vergisst. In erster Linie bin ich gegen Klarnamen bei Kindern im Netz. Wenn mein Kind bei Instagram oder Snapchat AnitaMüller12Wien heißt, dann weiß jeder, mein Kind ist weiblich, heißt Anita, ist 12 Jahre alt und lebt in Wien. Das ist sehr viel Information allein im Nutzernamen für Fremde – zu viel. Um Kinder vor Cybergrooming zu schützen ist es sehr wichtig, das aus dem Namen in sozialen Netzwerken und auch in Onlinespielen nicht hervorgeht, welches Geschlecht, welches Alter, welchen Namen es hat. Bei WhatsApp geht das nicht, da haben diejenigen den Kontakt, die die Nummer haben. Da kann man dann aber zumindest einstellen, dass nur Kontakte, also Freunde das Profilbild und den Status sehen.
Für alles braucht es dann Regeln. Ich nenne sie in meinen Kursen digitale Familienregeln. Es gibt schon sehr lange so eine Art Mediennutzungsverträge für Kinder. Da hat mich immer dran gestört, dass sie nur für Kinder gelten. Aber wir Eltern haben doch auch Aufgaben, für uns müssen auch Regeln gelten. Andere natürlich, aber die wichtigste ist doch: um mein Kind auch im Digitalen besser zu verstehen und zu schützen, bilde ich mich selbst weiter, was Apps und Co angeht.
Und generell sollte man natürlich mit dem Kind vereinbaren, was geteilt werden darf und was nicht. Viele Teens teilen unbedacht den Standort der Wohnung oder der Schule. Manchmal weil es die Voreinstellung in der jeweiligen App ist. Das birgt natürlich Gefahren. Nicht nur Fotos können in die falschen Hände gelangen, auch die Daten, die durch Namen oder Standorte Preis gegeben werden …

MamaWahnsinn: Liebe Leonie, hast du noch mehr Tipps, wie man Kinder digital begleitet?

Leonie: Vertrauen ist gut, Dialog ist besser. Wenn ich Ahnung von den Themen habe, dann verstehe ich eher die Faszination. Wenn ich mein Kind über Gefahren im Netz und in Apps aufklären kann, merkt mein Kind: Oh hey, meine Eltern haben Ahnung! Und dann wenden sich Kinder viel wahrscheinlicher an Mama oder Papa, wenn sie wirklich mal eine unschöne Erfahrung im Netz machen.
Arbeitet man hingegen nur mit Druck und Verboten, wird sich das Kind möglicherweise verschließen, weil es glaubt: Beim kleinsten Problem nehmen mir meine Eltern das Smartphone weg. Und das würden Kids und Teens niemals riskieren.
Also weniger Kontrolle, mehr Gespräche und Interesse, Grundmechanismen selbst erlernen und dann ans Kind weitergeben und mit dem Kind gemeinsam alle Apps, sofern möglich, mit den wichtigsten Sicherheitseinstellungen versehen. TikTok zum Beispiel ist faszinierend – auch für mich als Mutter. Ich verstehe total, dass die ganzen Teens da auch schon drauf abfahren. Und wenn ich mich mit der App beschäftigt habe, die Hintergründe kenne und dann entscheide: ok, mein Kind darf es nutzen, dann geht das zum Beispiel auch mit dem Elternmodus. Oder aber das Kind nutzt die App ohne selbst dort aktiv zu sein. Es gibt in so vielen Bereichen verschiedene Lösungswege. Aber viele Eltern kennen die nicht, weil sie selbst ja nicht in dieser Welt groß geworden sind. Und deshalb habe ich „Kinder digital begleiten“ gegründet. Damit dieses Wissen einfach gebündelt erlernt werden kann.

Je mehr man als Eltern weiß, was online bei Kids und Teens wirklich abgeht, desto entspannter wird man, weil das Ungewisse beantwortet wird. Und das kann man dann altersgerecht dem Kind erklären und es so besser schützen.

 

In diesem Sinne vielen, vielen herzlichen Dank, liebe Leonie für diese tollen Informationen. 
Solltet ihr mehr über Kinder digital begleiten wissen wollen – hier geht es zum Onlinekurs von Leonie. Es gibt Kurse für Eltern von Kindergarten- und Vorschulkindern sowie für Eltern von Grundschüler/in und Teens. Der zweite Kurs behandelt Themen wie die Auswahl und die Konsequenzen der Fotos, die gepostet werden, das erste Smartphone, Gefahren und vieles, vieles mehr. Seht es euch an!