An Arbeit am Laptop ist neben meinen drei süßen Goldschätzen nicht zu denken. Trotzdem bin ich sehr pflichtbewusst und prinzipiell – trotz Wickeln, Essenszubereitung oder Puzzleteilsuche – in dringenden Angelegenheiten auch außerhalb der regulären Dienstzeiten telefonisch erreichbar. Das funktioniert im Normalfall recht gut. Im Normalfall. Nicht aber, wenn es um ein wichtiges Gespräch geht. Denn da sind Arbeit und Kinder definitiv nicht kompatibel – die Süßen dürften das tatsächlich riechen, den Schalter unbewusst oder bewusst „umlegen“ und ihr „bestes“ Verhalten an den Tag legen. Kennt ihr das? 

Meine drei Goldschätze können das zumindest sehr gut! Und wirklich außerordentlich gut ist es ihnen letztens gelungen. Beurteilt selbst:
Das Telefon klingelt. Der Chef unserer Werbeagentur ruft mich an. Ich muss mit ihm die aktuelle Kampagne checken, möchte ein paar Details besprechen. Zwischen „Ja, diese Maßnahme wirkt, wir haben dadurch mehr Zugriffe auf unsere Website“ und „Wie können wir das noch optimieren?“ fängt mein mittlerer Schatz an, zu schreien. HALT!!!!!! Ich meine damit eigentlich nicht nur schreien, sondern schreien in der höchsten Tonlage. Die Drohung, dass sie die Polizei bald als Sirene einsetzen wird, hilft nichts. Sie zwillt weiter. Meine jüngste Prinzessin findet das Verhalten der Schwester offensichtlich recht cool und stimmt ein. Es gibt bessere Duette, wenn ihr versteht, was ich meine. KREIIIIIIIIIIIIIIIISCHHHHHHHHHHHHH! Nach einem 20-Sekunden-Dauerton holen die beiden endlich Luft und hören auf. Fürs Erste.

Ich kann dem Agenturchef kurz ein paar Zahlen durchgeben. Doch nun scheint meine älteste Maus Oberwasser zu bekommen und möchte zeigen, was sie kann. Sie war ja schließlich vorhin leise. „Du bist ein F&%$i“, schreit sie zum mittleren Goldschatz und bezeichnet das Sandwichkind als herumlaufende Blähung, wohlbemerkt hängt sie hinten noch ein „i“ an, als Verniedlichung sozusagen. Beim ersten Mal ignoriere ich es bewusst, ich möchte sie nicht ermutigen und will noch ein paar Details klären. „F&%$i! F&%$i! F&%$i!“ Spätestens jetzt habe ich genug und sage ihr, dass sie sofort damit aufhören soll: „ICH. WILL. DAS. WORT. NICHT. HÖREN.“ Doch sie denkt partout nicht daran! Sie ignoriert mich dezent: „F&%$i! F&%$i! F&%$i!“ Zur absoluten Draufgabe beginnen auch die zwei Sirenen nach ihrer Atempause, wieder zu heulen. ÄHHHHHHHHHHHH! Mir ist das schrecklich unangenehm, doch es bleibt mir nichts anderes übrig, als das Telefonat abrupt zu beenden und die restlichen Details per E-Mail zu schicken. Arbeit und Kinder eben.

Damit ist es aber noch nicht getan, dieses Gespräch hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwei Tage später erfährt mein Chef bei einem gemeinsamen Meeting davon. Der irritierte Agenturchef sagt abschließend: „Ein Wahnsinn! Ich bewundere diese Belastungsfähigkeit. Das war ja ein Ausnahmezustand!“ Der Clou: Das sagt einer, der bereits Partys, Galas auf der Uni, beim Beach-Volleyball etc. pp. mit 10.000 und mehr Leuten veranstaltet hat. Eigentlich der beste Troubleshooter ever. Ich hoffe nur, er will trotzdem irgendwann Kinder.

In diesem Sinne befürchte ich, dass die Kleinen (nicht nur in Bezug auf Arbeit und Kinder) einen „Bitte-jetzt-nicht!-Es-ist-wichtig!-Und-dann-erst-recht!-VOOOLLLLGAAASSS“-Sensor eingebaut haben. Ob ihr es mir glaubt oder nicht – normalerweise benehmen sich meine Lieblinge nicht so. Ehrlich nicht. Kennt ihr das? Geht es euch manchmal ähnlich?

 

PS: Details über mich, das Alter meiner Mädis, meinen Mama Blog etc. findet ihr hier.