Detox

Einmal wollte ich mindestens zwei Wochen lang standhaft bleiben – an 40 Tage wage ich kaum zu denken. Nicht nachgeben. Den inneren Schweinehund bekämpfen. Detox. Geschafft habe ich es heiße 36 Stunden. KREIIIIISCHHHHH!!! Denn irgendwie bin ich addicted to sugar. Nein, Spaß beiseite, statt Beruhigungstabletten werfe ich Schoko in mich hinein. So schaffe ich es beispielsweise während einer zweiminütigen Autofahrt fünf Ferrero-Küsschen zu verschlingen. Übrig bleiben nur die leeren Papierchen, die ich rasch in meine Handtasche werfe, um alle Beweisstücke zu vernichten.

Va bene! Doch gerade in der Fastenzeit ist Detox in aller Munde, meine lieben Kolleginnen trumpfen mit Suppenkuren etc. pp. auf, auch ich will auf etwas verzichten. Die Süßigkeiten sind da wohl am naheliegendsten. Um ja standhaft zu bleiben, habe ich am Tag vor dem großen Entzug noch zwei Krapfen hinuntergeschlungen. MHHHHHHHH!!! Scheinbar noch mit erhöhtem Zuckerspiegel sind die ersten Stunden ein Spaziergang. Ein Sommernachtstraum. Selbstbewusst und ziemlich stolz auf mich hole ich meine drei Goldschätze vom Kindergarten beziehungsweise der Tagesmutter ab und wir fahren gemeinsam heim. Im Auto beginnt es dann: Sie fangen zur Abwechslung grundlos zu streiten an. Dieses Mal geht es darum, wer zuerst in das Freundschaftsbuch eines Mädchens, dessen Namen ich NOCH NIE zuvor gehört habe, eintragen darf. ÄHHHHHH!

Zu Hause geht es dann weiter – meine neuen Entspannungsrituale interessieren sie nicht die Bohne. Sie streiten sich nun, wer beim Skikurs am nächsten Tag die rosaroten und wer die blauen Socken anziehen darf. Ein Detail am Rande: Wir haben jeweils zwei Stück!!! Meine Erklärungen werden dezent überhört oder ignoriert. Während der Keiferei steht neben dem Waschbecken ein übrig gebliebener Vanillekrapfen vom Vortag. Er lacht mich an und schreit: „Iss mich! Iss mich!“ ÄHHHHHHHH!! Ich bleibe standhaft und bin stolz auf mich, dass ich mich nicht von der eingetrockneten Vanillecreme überreden lasse.

Okidoki! Ich werfe das staubtrockene süße Etwas weg. Die Kinder beruhigen sich. Schoko und Sweets sind kein Thema mehr.

Zumindest bis nächsten Tag in der Früh, bis wieder einmal alles aus den Fugen gerät. Es beginnt damit, dass ich in das Ohr meiner jüngsten Prinzessin schaue – alleine der Anblick genügt und ich weiß, wir müssen sofort zur Ärztin. Sie ist schon seit ein paar Tagen ziemlich verschnupft, da sie jedoch weder jammerte noch Fieber hatte, dachte ich mir nichts Schlimmes. Nun ist das kleine Ohr ganz leicht verkrustet. OMG!!! Das arme Kind!!! Ich rufe schnell die Ärztin an, wir können in einer Stunde, also um 8 Uhr, kommen. Obwohl ich gegen halb zehn eine Präsentation habe, bin ich zuversichtlich – ich muss zwar noch dringend etwas dafür vorbereiten, doch wenn ich jetzt gleich ins Büro fahren, schaffe ich es irgendwie schon. Ich bin nur heilfroh, dass ich mit der Kleinen zur Ärztin kann.

Doch just in diesem Moment hat unsere mittlere Zuckerpuppe eine spezielle Idee, sie ist nämlich plötzlich der Meinung, sie will lieber daheim bleiben und nicht zum Kindergarten-Skikurs. „Mama, schau: Ich kann nicht so gut Skifahren, die anderen sind besser und das will ich nicht!“, probiert sie, mich zu überzeugen. Ich packe alle Überredungskünste aus, nichts hilft. Zwei Oberteile passen nicht, die Skisocken tun sowieso und überhaupt weh, schlussendlich möchte sie mit den bloßen Füßchen in die Skischuhe. So und nicht anders! Sie schreit! Sie zwillt! Sie liegt am Boden! Meine Nerven übrigens auch!

Zwischen „Geburtstagspartybesuchsverbot“ und diversen Androhungen – Details erspare ich euch wohlweislich –, zieht sie sich dann letztlich nach einem 30-minütigen Theater an. Ich fahre ganz schnell in die Firma, um die ausständigen Details zu erledigen, mein Göttergatte ist so lieb und bringt in der Zwischenzeit die großen Mäuse zum Skikurs-Bus und geht mit dem kleinsten Schatz voraus zur Kinderärztin, wo ich ihn nach dem kurzen Office-Intermezzo ablöse. Die Diagnose: Das arme Püppchen hat eine Mittelohrentzündung – zwar ohne Fieber, aber immerhin. Wie konnte ich das bloß übersehen? Warum habe ich es nicht gemerkt? Was mache ich nun mit der Präsentation?

Vielleicht könnt ihr das nachvollziehen, aber spätestens während der Fahrt von der Tagesmutter, die so lieb ist und meinen Schatz kurz übernimmt, in die Arbeit, hole ich mir die Reserve-Schokolade aus dem Handschuhfach heraus und stopfe sie in mich hinein. Ich muss. ES. GEHT. NICHT. ANDERS. 100 Gramm. Und eine Stunde später am Rückweg noch einmal. Weitere 100 Gramm. Nuss-Nougat.

In diesem Sinne fange ich morgen mit meinen No-Sugar-Tagen an. Oder übermorgen. Oder am Montag. Oder wenn die Kinder maturierten. Oder wenn ich gesunde und glückliche Enkelkinder habe.

 

PS: Details über mich, das Alter meiner Mädis, meinen Mama Blog etc. findet ihr hier.