Fuerte und der Besuch in der „International Clinic“

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Wir schreiben das Jahr 2015. Meine Chaos-Familie und ich weilen auf Fuerteventura.
Theoretisch sind wir zwar schon daheim – gedanklich bin ich aber noch im Urlaub. Obwohl es gibt auch Erlebnisse, die ich lieber aus meinem Gedächtnis streichen möchte. So zum Beispiel diese Story; denn täglich grüßt das Murmeltier. Wir wären nicht wir, um nicht auch in Fuerteventura die Kompetenz der Ärzte zu testen. 

Aber von Anfang an, der Schock sitzt noch tief. Ich stehe neben einem der zirka 16* Pools und bewundere den sensationellen Ausblick: Eine (mehr oder weniger) grüne Wiese, dahinter ein steiler Abhang, als Abgrenzung ein paar Pflanzen. Im Hintergrund der türkis-blaufärbige Atlantik. Dann wird es richtig kitschig: ein uraltes Holz-Segelboot schippert am Meer dahin. UNBESCHREIBLICH. WUNDERSCHÖN. Ich schnappe mein Handy, will es festhalten und gehe mit dem Baby-Mädi im Arm zum Ende der Anhöhe – plötzlich höre ich ein Geschrei. ÄHHHHHH! Weg ist die Magie dieses Momentes (das Boot auch gleich – aber das ist jetzt nebensächlich). Mein mittleres Mäuschen liegt vor mir am Boden und weint bitterlich. Aus ihrem Näschen rinnt das Blut – alles ist voll. Sie ist mir nachgerannt, hat sich kurz umgedreht, nichts gesehen und ist dann mit dem Kopf voraus knallhart in das hintere scharfe Teil einer Plastikliege getuscht.** Eine Dame hilft uns mit Taschentüchern aus. Der Göttergatte eilt herbei, er beruhigt sie (und mich) und wir probieren gemeinsam, das weinende Mädi mit einem von ihr eigentlich immer heißgeliebten Schokoeis zu trösten.

Doch nix da. Das Eis schmeckt ihr nicht. Sie blutet noch immer leicht. Der Göttergatte bleibt – wie immer in solchen Situationen – ruhig. Er vermutet, dass sie „nur“ erschöpft von der Schreierei ist. Und es reicht, wenn ich fast hyperventiliere. Sie wird müde, verdreht die Augen. Ihr süßes Gesicht ist kreidebleich. Ich habe Angst! Wir gehen dann alle mit Kinderwagen & Co in Richtung Rezeption, um den Hotel-Arzt zu suchen. Die verletzte Maus hängt am Göttergatten, lässt ihn nicht mehr los. Mir ist schlecht, ich zittere. Mein geliebter Mann ist trotzdem noch relaxt, er dürfte diesbezüglich schon mehr gesehen haben. Für mich ist das genug. Angekommen bei der Rezeption schläft der mittlere Augenstern bereits, das Baby-Mädi strahlt mich an und die große Prinzessin jammert – sie hat nämlich Bauchweh.***

Der Arzt ist sofort da, er führt uns aus der Lobby hinaus und bei einem beschilderten Nebeneingang wieder hinein. Dann sind wir da, in der „International Clinic“. Die verletzte Puppe wird auf einem der zwei Krankenbetten gewissenhaft untersucht (sogar ihr Bäuchlein hört er ab). Ich sehe uns – wie damals in der Türkei – schon in einem größeren Spital mit allem Drum und Dran – natürlich inklusive Übernachtung. Doch der Mediziner gibt auf Englisch Entwarnung: Er möchte sie zwar noch eine Stunde in seinen 4-Wänden beobachten, um wirklich sicher zu gehen. Eine Gehirnerschütterung (meine größte Sorge) schließt er aber aus, er vermutet eine geprellte oder gebrochene Nase. Machen kann man nichts, meint er, es scheint Gott sei Dank alles gerade zu sein. Wir sollen das Näschen kühlen, Nureflex geben und zu Hause zur Kontrolle gehen. Nach dieser besagten Stunde ist der Augenstern wieder quietschfidel. Als der Arzt sie das dritte Mal in gebrochenem Deutsch fragt, wie sie heißt, sagt sie ungeduldig: „Das hab ich jetzt eh schon zweimal gesagt, warum merkt er sich das nicht?“ Der Göttergatte (der sich natürlich bestätigt fühlt), das Baby-Mädi und die große Prinzessin**** grinsen.

Spätestens beim Resümee meines geliebten Ehemannes muss auch ich lachen. In der Türkei hätten mir der dortige Mediziner und der geschäftstüchtige Dolmetscher bestimmt eine Nasen-OP mitverkauft, meint er. Die große Maus sagt daraufhin: „Ja, das STIIIIIMMT, Mama.“

In diesem Sinne bin ich nur erleichtert, dass wir alle gesund daheim angekommen sind. Das Näschen ist noch ein bisschen geschwollen, weh tut es ihr nicht mehr. Alles wieder gut! Unsere Ausland-Krankenhaus-Rechnungen stapeln sich…
Was mich wirklich interessieren würde – geht es nur uns so oder seid ihr auch so oft beim Arzt?

Fortsetzung folgt. Gedanklich bleibe ich noch einmal in Fuerte – zum Abschluss gibt mir MEINE Heldin Mut…

* Ist jetzt leicht übertrieben.
** Weit und breit war nur DIESE Liege. Andererseits können wir froh sein. Wäre sie in einen Kaktus oder den Abhang hinunter, hätte die Geschichte ein schlimmeres Ende.
*** No-na bei 2 Portionen Eis in kürzester Zeit. Natürlich hat sie die Gunst der Stunde genutzt und das Schokoeis ihrer Schwester auch schnell verdrückt.
**** Ihr Bauchweh ist ganz ohne Untersuchung, Medizin etc. wieder verschwunden beziehungsweise das Eis ist verdaut.

PS: Details über mich, das Alter meiner Mädis etc. findet ihr hier.

1 Comment
  • Lisa
    Posted at 19:14h, 07 Mai Antworten

    Gute Besserung!

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