Kindergerechte Aufklärung: Was muss beachtet werden? - MamaWahnsinnHochVier
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Kindergerechte Aufklärung: Was muss beachtet werden?

Mit Baby im Bauch und drei großen Schwestern möchte ich mich heute einem sehr brisanten Thema widmen – der kindergerechten Aufklärung. Was muss beachtet werden, was sollen/dürfen/müssen die kleinen Mini-Menschlein schon wissen? Die nackte Wahrheit? Wie gehe ich auf das Thema Sexualitäten ein? Um für alles gewappnet zu sein, habe ich mich mit der Expertin Gabriele Rothuber unterhalten, sie  ist Diplomierte Sexualpädagogin und Geschäftsführerin von www.selbstbewusst.at

MamaWahnsinnHochDrei: Liebe Gabriele, erstmals herzlichen Dank für das Gespräch. Doch fangen wir gleich an: Wie wichtig ist die Aufklärung? Was müssen unsere Kinder alles wissen? 

Gabriele: Aufklärung ist ein wichtiger Baustein in der Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch! Je früher sie aufgeklärt sind, desto früher sind sie geschützt – weil sie sexuelle Übergriffe einordnen können. Aufklärung wirkt dem entgegen: „Wer nichts weiß, muss alles glauben!“
Missbrauchstäter*innen kommen zum Großteil aus dem nahen sozialen Umfeld der Kinder – sie werden ihnen glauben, dass „das alle Nichten mit ihrem Onkel machen“, wenn sie nicht aufgeklärt sind und wissen, dass das nicht stimmt.

MamaWahnsinnHochDrei: Ab wann können die Kleinen aufgeklärt werden?

Gabriele: Aus der psychosexuellen Entwicklung weiß man, dass Kinder sich sehr früh für „Fragen zur Sexualität“ interessieren: Meist wird ihnen mit zwei oder drei Jahren der Geschlechtsunterschied bewusst – dass es Menschen gibt, die untenrum so aussehen wie sie und solche, die anders aussehen.
Ungefähr mit vier Jahren interessiert die Frage: „Wo die Babies herkommen?“ Da reicht es noch, wenn man sagt „aus dem Bauch der Mama“.
Meist gegen fünf wollen sie dann wissen, wo die rauskommen und mit sechs wie die Babies denn da reingekommen sind.
Das bedeutet: Kinder könnten VOR dem Schuleintritt soweit aufgeklärt sein, dass sie wissen, wie sie entstanden sind. Auch, wenn sie IVF-Kinder sind oder adoptiert wurden etc.
Es gibt absolut keine Frage, die Kindern nicht beantwortet werden kann und sie “auf später“ vertrösten sollte. Dieses „später“ kommt womöglich nie wieder, weil sie nie wieder fragen. Sie spüren, dass das Thema bei ihrem Gegenüber „gar nicht geht“. Und es kann auch niemand nicht aufklären: das geschieht am Wickeltisch, wenn ich alle Körperteile eincreme und benenne – und den Genitalien einen Namen gebe.

MamaWahnsinnHochDrei: Was tun, wenn es dennoch nicht Thema war? Meine Kinder haben das Baby bei der Fee bestellt. Soll ich auf sie zukommen? 

Gabriele: Wie gesagt: gut aufgeklärte Kinder sind früher geschützte Kinder. Ja, man sollte definitiv auf sie zukommen, nach dem Motto: „Du bist schon so groß und ich möchte dir nun erzählen, woher du wirklich gekommen bist.“ Rund um den Schuleintritt ist das ein perfektes Alter für ein Gespräch – vielleicht mit einem Buch. Oder man nimmt den Mutter-Kind-Pass zur Hand und sieht ihn gemeinsam durch und baut dies ins Gespräch ein

MamaWahnsinnHochDrei: Wie sieht kindgerechte Aufklärung aus?

Altersgemäße, sensible Aufklärung orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder – Fragen treten oft früher auf, wenn ein Geschwisterchen kommt.
Wer früh beginnt, das Thema Sexualität als ganz normales, unaufgeregtes Thema in der Familie zu etablieren, der oder die tut sich auch viel leichter.
Kleine Kinder wollen uns nicht herausfordern, sie wollen einfach nur Antworten auf ihre Fragen, weshalb die Dinosaurier ausgestorben sind, wie der Regen in die Wolke kommt und wie die Babies in den Bauch kommen.
Je näher Kinder in Richtung (Vor)Pubertät gehen, desto peinlicher wird die ganze Sache meist für beide Seiten. Und wer mit zehn mit der Tochter noch nicht über die Regel oder mit dem Sohn über den ersten Samenerguss gesprochen hat (ein Thema, das noch völlig tabu zu sein scheint und Jungs oft völlig verzweifeln lässt, weil sie denken, wieder ins Bett gemacht zu haben), braucht sich nicht zu wundern, wenn sie das nicht mehr von den Bezugspersonen hören möchten.
Niemand kann auch nicht nicht Sexualerziehung machen: wie ich auf eine Frage reagiere, ob ich antworte, auf irgendwann vertröste etc. – all das transportiert Werte, Einstellungen, Gefühle etc.

MamaWahnsinnHochDrei: Nochmals bitte kurz zu Büchern – sind sie bei der Aufklärung hilfreich? Auf was muss ich als Elternteil dabei achten – einige sind für meinen Begriff schon sehr detailliert. 

Gabriele: Wenn man sich Aufklärungsbücher besorgt, ist es wichtig, dass man sie vorher gut durchsieht: Aufklärung ist immer auch Wertevermittlung. Das bedeutet, die Bilder, der Text… all das sollte mir als Bezugsperson gefallen, sonst wird es peinlich, wenn das Buch gemeinsam angesehen wird.

Gabriele Rothuber:
Beispiele – wie auf Kinderfragen reagiert werden kann!

Was ist der Unterschied zwischen Buben und Mädchen?
Buben haben einen Penis und Mädchen eine Scheide.
Selbstverständlich können Sie auch Kosenamen verwenden. Den Kindern ist es egal, welche Worte sie lernen. Spätestens mit Schuleintritt sollten sie allgemein verständliche kennen

Wie kommen die Babies in den Bauch?
Für Kinder ab zirka fünf oder sechs Jahren ist folgende Definition passend: „Wenn sich ein Mann und eine Frau ganz lieb haben, dann kuscheln die, vielleicht sogar nackt. Und das Allerengste, das man kuscheln kann, ist wenn die Scheide den Penis aufnimmt. Und wenn die weiterkuscheln kommen aus dem Penis ganz viele Samenzellen. Wenn die auf eine Eizelle im Bauch der Frau treffen, kann ein Baby entstehen.“

Weitere Tipps und Ratschläge von der Expertin

WICHTIG: Es darf gelacht/gekichert werden, wenn mit den Kindern „darüber“ geredet wird! Und Kinder dürfen sich auch davor ekeln! Im Volksschulalter würden viele lieber irgendwann mal adoptieren, als DAS zu machen – und sie bedauern oftmals ihre Eltern, dass die das „dreimal machen mussten“ – weil wir drei Geschwister sind 😉

Das Kind muss in diesen Gefühlen bestärkt werden: „Ja, das kann man sich als Kind gar nicht vorstellen, dass das später mal schön sein kann, wenn man erwachsen ist – das darf auch niemand mit einem Kind machen!“ So geschieht gleichzeitig Prävention, ohne zu ängstigen.

Es ist wichtig, dass Kinder wissen, dass sie mit ihren Fragen zu den Eltern kommen können. Wer mit seinen Kindern nicht über die „Sonnenseiten“, all das Schöne der Sexualität sprechen kann, darf sich nicht wundern, wenn Kinder mit den „Schattenseiten“ – etwa Missbrauchshandlungen – nicht zu ihnen kommen. Wer das Thema tabuisiert, ist keine gute Ansprechperson.

In diesem Sinne ihr Lieben, hoffe ich, euch heute wichtige Infos mitgegeben zu haben. Wie macht ihr es? Welche ergänzenden Ratschläge habt ihr noch? 

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Dieser Beitrag enstand in Zusammenarbeit mit Mag.a Gabriele Rothuber, Dipl. Sexualpädagogin & Geschäftsführerin von www.selbstbewusst.at, Sexualberaterin www.courage-beratung.at, System. Traumapädagogin und -Fachberaterin, Familienplanungsberaterin. 

Titelfoto: pixabay.com

PS: Details über mich, das Alter meiner Mädis, den Mama Blog MamaWahnsinnHochDrei etc. findet ihr hier.

2 Comments
  • Katharina
    Posted at 10:01h, 08 Februar Antworten

    Toller Beitrag ???????? Meine Tochter ist schon 7 und weiß mehr oder weniger Bescheid. Da sie jetzt einen Bruder bekommt passt das Thema super danke dafür ????????‍♀️

  • Sophie
    Posted at 14:13h, 08 Februar Antworten

    Toller Artikel! Sehr hilfreich. Mein Mini ist zwar erst 2 und ein Baby ist auch noch nicht im Anmarsch, aber wir sind gerade dabei die Unterschiede festzustellen. ???? insgesamt finde ich das einfach ein wichtiges, wenn auch bisschen schwieriges Thema, gerade weil man glaub ich oft nicht so recht weiß, was kindgerecht/altersgerecht ist. Danke dafür!

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