Schulreif MamaWahnsinn

Mama-Sorgen: Ist mein Kind schulreif?

Der ursprüngliche Text ist drei Jahre alt, nachdem wir allerdings gerade die neue Schultasche bekommen haben, ist er gefühlsmäßig wieder aktueller denn je. Unmittelbar vor der dritten Einschulung bin ich nämlich alles andere als abgebrüht und denke mir: Ist mein Kind schulfrei? Aus diesem Grund habe ich diese ältere Story inklusive Ratschläge von der Kinder-Ärztin nochmals überarbeitet und online gestellt. Vielleicht hilft euch dieses tolle Gespräch mit Dr. Pia Will ebenfalls weiter. 

Schulfrei? So war es vor drei Jahren

„Mama, ich mag nicht mehr in die Schule gehen. Spielen im Kindergarten ist lustiger!“ Das waren die Worte meiner Erstklässlerin nach den ersten Wochen vor drei Jahren. Kurz fürs Protokoll und vielleicht versteht ihr mich dann besser: Sie ist Ende August geboren, bei ihr ging es tatsächlich nur um ein paar Tage, sie wäre sonst das Jahr darauf eingeschult worden. Wahrscheinlich brachte mich deshalb dieser Satz kurz aus der Fassung.

Selbstverständlich bin ich daraufhin gleich zu Dr. Google und habe „recherchiert“ – die Lehrerin wollte ich in der zweiten Schulwoche mit dieser Aussage noch nicht belästigen. Einen sehr guten Artikel habe ich dann unter anderem bei meiner Kollegin Birgit von Mutti’s Nähkästchen gefunden, die sich sehr ausführlich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat.

Tja, diesen nächtlichen Test hätte der Goldschatz zwar bestanden, dennoch war ich mir unsicher. Wir sind es dann ruhig angegangenen, haben sie beobachtet, (uns) nicht gestresst und die Eingewöhnung passierte schneller als gedacht. Nach kurzer Zeit hieß es dann: „Im Kindergarten sind e
h nur Babies“ (O-Ton).

Schulreif MamaWahnsinnHochDrei

Schulreif? So sieht es jetzt aus

Die Ruhe vom zweiten Kind hilft beim dritten nichts. Wieder bin ich nervös, denke mir, wird es passen? Ja, auch sie ist ein August-Kind und wenn ich sie im Vergleich mit September-Kinder beobachte, die ja doch fast ein Jahr älter sind, sehe ich manchmal schon noch kleine Vorsprünge.

Schulreif? Das sagt die Kinderärztin

Grund genug, wieder mit der lieben Pia, selbst eine dreifache Mutter und Kinderärztin zu sprechen. Ich habe ihr unser altes Interview nochmals gezeigt und wir haben es gemeinsam ergänzt. Ich wollte mehr über die Problematik Schulreife wissen.

Liebe Pia, ich falle gleich mit der Türe ins Haus: Woher weiß ich, ob mein Kind schulreif ist? 

Pia: Ich rate dazu, sich im letzten Kindergartenjahr zuerst ausführlich darüber mit den zuständigen Pädagoginnen zu unterhalten und dann mit dem Kinderarzt. Beide kennen die Kinder in den meistens Fällen gut und wissen, wie weit sie sind und ob Aufholbedarf besteht. Es kann im Zweifelsfall auch ein Test beim Psychologen gemacht werden.
Sollten Kinder Förderungen benötigen, kann mit einer Ergotherapie viel erreicht werden. Und: Bis September ist es noch lange!

Kurz bitte auch zum Gegenteil. Was ist wenn die Kinder vielleicht schon etwas älter sind, jammern und im Kindergarten unterfordert sind? Hast du hier auch Tipps? 

Wenn die Kinder mehr möchten und unterfordert sind, rate ich zu Musikinstrumenten oder Sportvereinen. Das funktioniert immer gut und die Langeweile ist weg.

Wie stehst du als Kinderärztin eigentlich allgemein zum Thema Schulreife? Besser früher oder später einschulen? 

Pia: Ich würde im Zweifelsfall ein Kind immer später einschulen. Wenn man einen guten Kindergarten hat, wo sich das Kind wohlfühlt und gefördert wird, darf man dieses Jahr als gewonnenes Jahr sehen. Die Schule kommt so oder so immer und dauert auch lange genug. Außerdem haben es jüngere Schüler auch oft später schwerer, die Mitschüler kommen früher in die Pubertät und und und….

Schulreife – welche Faktoren sind wichtig? 

Es spielen nicht nur intellektuelle Fähigkeiten eine Rolle, sondern ebenfalls die körperliche Reife. Wie groß ist das Kind, wie schwer ist es? Kann es die Schultasche tragen? Wie gut fügt sich das Kind in die Gruppe ein, kann es sich einordnen, still sitzen?
Zu beachten ist natürlich auch der Schultyp – in einer offenen Schule mit individueller Förderung spielt das natürlich viel weniger eine Rolle als in einer Regelschule mit 25 Schülern.

In diesem Sinne, liebe Pia, vielen lieben Dank für die Informationen.
Ich bin dann mal bei der Kindergärtnerin… 😉

 

Reiseapotheke MamaWahnsinnHochDrei

 

Dr. Pia Will ist Kinderärztin in Klagenfurt und Velden am Wörthersee.

Sie ist in Linz, Berlin und Baden aufgewachsen. Während der Studien- und Facharztausbildungszeit war sie in Wien und Frankreich. Zur Zeit lebt sie mit ihren drei Lieblingen (10, 11 und 17 Jahre) und ihrem Mann in Klagenfurt.

 

 

 

 

PS: Details über meinen Mama-Blog findet ihr hier.

 

 

 

2 Comments
  • Denise
    Posted at 13:08h, 19 Oktober Antworten

    Tja, wir leben in NRW und haben keine Wahl. Stichtag ist 30.9. und „emotionale Reife“ und Meinung der Eltern interessiert hier keinen. Kognitiv hatte und hat unser Großer bisher keine Probleme und er ist groß. Dennoch war das erste Schulhalbjahr für uns alle schlimm, wir konnten schließlich nichts ändern. Am schockiertesten war ich, als ich mal zufällig Fotos verglichen hab, Einschulung vs 3 Monate später. Ich würde IMMER so spät es geht, einschulen, ausser, es sprechen weitere Gründe dafür, es gibt leider auch schlechte Kindergärten, die eher Verwahranstalten sind. Unser KiGa ist so toll, selbst jetzt mit 8 würde mein Großer da immer noch glücklich hingehen, denn dort wird auch viel gelernt und eben ganz viel (draussen) gespielt, Respekt und Umgang miteinander gelernt. Unser Dritter ist ebenfalls ein Septemberkind und muss auch mit 5 in die Schule, uns graut es jetzt schon. An ein Umdenken und mehr Flexibilität in der Politik glaube ich nicht mehr.

  • Dresden Mutti
    Posted at 08:58h, 24 Januar Antworten

    Wirklich ein Problem: in Deutschland gibt es einige Bundesländer wie NRW, in denen die Schulreife keine Rolle für die Einschulung spielt. Die Kinder werden (zum Teil auch sehr früh) eingeschult und erwerben dann innerhalb der ersten zwei Schuljahre die Schulreife. Hier sollte sich etwas ändern. Wir sind nach Sachsen umgezogen und haben das Glück, dass unsere Tochter (27.09.2014) nun doch erst nächstes Jahr in die Schule kommt.

Post A Comment